Giftiger „Rauchregen“ über dem Westen

aktuell, 18.08.2026

Ein Drittel des Hohen Venns brennt: Wie eine Niederschlagsanalyse in Bonn zeigt, wäscht der Regen nun die Schadstoffe der 80 km entfernten Rauchfahne aus – mit hoher Schwermetalllast und verändertem pH-Wert.

Im deutsch-belgischen Grenzgebiet wüten seit dem vergangenen Wochenende schwere Wald- und Moorbrände von verheerendem Ausmaß, durch die inzwischen schätzungsweise ein Drittel des geschützten Hohen Venns zerstört wurde.

Aufnahme aus dem Hohen Venn von Montag (17.08.)
© www.donnerwetter.de 

 

Neben der unmittelbaren Vernichtung wertvoller Biotope führt die Brandkatastrophe in Eifel und Venn zu einer messbaren Belastung der Atmosphäre: Die Feinstaubwerte (PM2,5) erreichten gestern im Tagesmittel extreme Konzentrationen von über 100 µg/m³, während an einzelnen Messstandorten Spitzenwerte von bis zu 800 µg/m³ registriert wurden:

© www.donnerwetter.de 

 

Dass sich die massive Rauch- und Schadstofffahne nicht nur auf die unmittelbare Brandregion beschränkt, sondern weiträumig verdriftet wird, zeigt eine aktuelle halbquantitative Laboruntersuchung des gefallenen Niederschlags in Bonn bei einer Probenmenge von rund 4 Litern pro Quadratmeter.

Normalerweise weist der Regen in dieser Region einen leicht sauren pH-Wert zwischen 5,0 und 5,5 auf. Bei den aktuellen Messungen wurde jedoch ein ungewöhnlich hoher, nahezu neutraler pH-Wert von 6,0 bis 7,0 festgestellt:

 

Dieser prägnante Anstieg erklärt sich durch das Auswaschen der Rauchfahne aus dem etwa 60 bis 80 Kilometer entfernten Brandgebiet, bei dem im Rauch mitgeführte basische Aschepartikel wie Calcium und Kalium die natürlichen Säuren im Niederschlag wirksam abpuffern.

Neben dem veränderten pH-Wert war auch die elektrische Leitfähigkeit des Niederschlags mit 200 bis 300 µS/cm außergewöhnlich hoch. Die Ursache hierfür liegt in einer erheblichen Last an gelösten Ammonium-Ionen und Mineralsalzen aus dem schwelenden Torf.

Zudem zeigte sich in den Proben eine deutlich erhöhte Schwermetallkonzentration von 0,3 bis 0,5 mg/l, bei der insbesondere Quecksilber nachweisbar ist. Diese toxischen Stoffe waren ursprünglich im Moorboden gebunden und wurden durch die Verbrennung der Torfschichten freigesetzt.

Über die Rauchfahne gelangen sie in die Atmosphäre und treffen schließlich als sogenannter „Rauchregen“ flächendeckend wieder auf den Boden. Die gewonnenen Daten verdeutlichen die weitreichenden chemischen und ökologischen Folgewirkungen auf das Niederschlagswasser.

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