Hitze setzt Pilzsaison zu

aktuell, 08.09.2026

Leere statt voller Pilzkörbe: Die ungewöhnliche Hitze und Trockenheit dieses Sommers machen sich jetzt auch im Wald bemerkbar. Vielerorts sprießen deutlich weniger Pilze als sonst – und das könnte nicht nur für Pilzsammler zum Problem werden.

Eigentlich beginnt jetzt die große Zeit der Pilze. Wenn die Tage kürzer werden und der Herbst Einzug hält, zieht es viele Menschen mit Körbchen und Messer in den Wald. Doch in diesem Jahr ist die Suche vielerorts enttäuschend. Wo sonst Steinpilze, Pfifferlinge oder Maronen zu finden sind, bleibt der Waldboden leer.

Der Grund liegt vor allem im außergewöhnlich heißen und trockenen Sommer. Den Pilzen fehlt schlicht das Wasser. In Mitteleuropa war die Zeit von Ende Juni bis Mitte August außergewöhnlich trocken. Gleichzeitig gab es deutlich mehr heiße Tage als normalerweise. Diese Kombination macht den Hutträgern zu schaffen.

Bild: Achim Otto

 

Ohne Wasser kein Pilzwachstum

Was wir beim Pilzesammeln sehen, ist allerdings nur der sichtbare Teil des Pilzes – der Fruchtkörper. Der eigentliche Pilz lebt größtenteils unsichtbar im Boden. Dort breitet sich ein feines Geflecht aus Pilzfäden aus, das sogenannte Myzel.

Dieses Myzel reagiert empfindlich auf Trockenheit. Fehlt über längere Zeit die Feuchtigkeit, können sich die Pilze nicht ausreichend entwickeln und keine oder nur wenige Fruchtkörper bilden. Deshalb bedeutet ein trockener Waldboden auch: deutlich weniger Pilze, die wir im Herbst zu sehen bekommen.

Und die Folgen gehen über leere Pilzkörbe hinaus. Pilze erfüllen im Wald wichtige Aufgaben. Viele von ihnen leben in enger Verbindung mit den Wurzeln von Bäumen. Sie helfen den Bäumen dabei, Wasser und Mineralstoffe aufzunehmen. Im Gegenzug erhalten sie Zucker, den die Bäume durch die Photosynthese produzieren. Diese Verbindung ist für das Funktionieren des Waldökosystems von großer Bedeutung.

Bild: Achim Otto

Andere Pilze sind die großen Zersetzer des Waldes. Sie bauen abgestorbenes Holz und Pflanzenmaterial ab und sorgen dafür, dass Nährstoffe wieder in den Boden gelangen.

Ohne diese Arbeit würden sich abgestorbene Pflanzenteile im Wald ansammeln und wichtige Stoffkreisläufe wären unterbrochen.

 

Die Trockenheit betrifft nicht nur die Pilzsammler

Dass derzeit weniger Pilze zu sehen sind, ist deshalb mehr als eine schlechte Nachricht für Menschen, die gerne mit dem Körbchen in den Wald gehen. Die Trockenheit trifft einen wichtigen Bestandteil des gesamten Waldökosystems.

Besonders beunruhigend ist dabei, dass nicht nur die sichtbaren Pilze betroffen sind. Die Wasserknappheit kann auch das unterirdische Myzel beeinträchtigen oder an manchen Stellen sogar zerstören. Im schlimmsten Fall könnten sich bestimmte Pilze dadurch nicht mehr ausreichend fortpflanzen. Selbst wenn jetzt noch Regen kommt, könnten deshalb manche Arten in diesem Jahr ausbleiben.

 

Noch ist die Saison nicht vorbei

Ganz abschreiben muss man die Pilzsaison allerdings noch nicht. Entscheidend wird sein, wie sich das Wetter in den kommenden Wochen entwickelt.

Pilze brauchen vor allem ausreichend Feuchtigkeit – und zwar nicht nur einen kurzen Regenschauer. Auch in anderen Regionen Europas hoffen Pilzexperten derzeit auf anhaltenden Regen, damit die verspätete Herbstsaison doch noch in Gang kommt.

Ein paar Regentage könnten deshalb einen deutlichen Unterschied machen.

Ob sie allerdings ausreichen, um die Folgen dieses außergewöhnlich trockenen Sommers auszugleichen, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

Für Pilzsammler heißt das vor allem: Geduld haben. Und für den Wald zeigt dieser ungewöhnliche Pilzherbst einmal mehr, wie empfindlich natürliche Kreisläufe auf Hitze und Wassermangel reagieren.

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