Wird das Hohe Venn zur „Heizplatte“?

Der Großbrand im Hohen Venn hat bereits rund 3.000 Hektar Natur erfasst. Neben der enormen Rauch- und CO₂-Belastung verändert das Feuer auch die Energiebilanz der Landschaft – und damit auch das Mikroklima über lange Zeit.

Ein großflächiger Wald- und Moorbrand ist nicht nur ein ökologisches Desaster - er verändert auch die meteorologischen Eigenschaften einer Landschaft.

Im Hohen Venn treffen dabei mehrere Faktoren zusammen: die enorme Ausdehnung der verbrannten Fläche, trockene Moor- und Torfböden sowie der Verlust der Vegetationsdecke. Der aktuelle Brand hat nach jüngsten Angaben rund 3.000 Hektar erfasst und zählt damit zu den größten Bränden in der Geschichte Belgiens.

 

Dunkle Flächen heizen sich stärker auf

Wo Wald und Vegetation verschwinden, verändert sich die sogenannte Oberflächenenergiebilanz. Die verbrannte Landschaft kann sich bei Sonneneinstrahlung deutlich stärker erwärmen. Die Forschung zu großflächigen Waldbränden zeigt, dass nach Bränden die sommerliche Landoberfläche wärmer werden kann – unter anderem durch Veränderungen der Albedo und eine geringere Verdunstung. Dieser Wärmeeffekt kann noch viele Jahre nach einem Brand messbar bleiben.

Das bedeutet nicht, dass das Hohe Venn nun tatsächlich zu einer riesigen „Heizplatte“ wird und automatisch neue Gewitter erzeugt. Lokal kann die aufgeheizte, trockene Oberfläche jedoch die bodennahe Temperatur und die Austauschprozesse zwischen Boden und Atmosphäre verändern. Gleichzeitig fällt durch den Verlust der Vegetation ein wichtiger Kühlungseffekt weg: Pflanzen transportieren Wasser über die Verdunstung in die Atmosphäre und kühlen damit ihre Umgebung.

 

Besonders problematisch: das Moor

Im Hohen Venn ist zudem die Torfschicht von großer Bedeutung. Bei trockenen Mooren können Feuer nicht nur oberirdisch brennen, sondern sich als Schwelbrand im Untergrund fortsetzen. Solche Brände sind schwer zu erkennen und zu löschen und können über längere Zeit Kohlenstoff aus dem Boden freisetzen.

Genau hier liegt auch die langfristige Klimarelevanz: Untersuchungen an temperierten Mooren zeigen, dass Brände erhebliche Mengen Kohlenstoff aus dem Boden freisetzen können. Gleichzeitig kann ein geschädigtes Moor seine Funktion als Kohlenstoffsenke verlieren und sich vorübergehend zu einer zusätzlichen Quelle von Treibhausgasen entwickeln.

 

Mehr als eine Million Tonnen CO₂?

Für die konkrete freigesetzte CO₂-Menge des aktuellen Brandes liegt derzeit keine belastbare, offiziell bestätigte Endbilanz vor. Eine Größenordnung von mehr als einer Million Tonnen CO₂ ist angesichts der verbrannten Fläche und des möglichen Anteils organischer Böden aber eine plausible Schätzung.

Zum Vergleich: Belgien kommt auf rund 98,6 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen pro Jahr (2024, als CO₂-Äquivalente und netto). Eine Million Tonnen entspräche damit ungefähr einem Prozent der jährlichen belgischen Gesamtemissionen.

Für ein einzelnes Brandereignis wäre das eine enorme Größenordnung.

Deutlicher Anstieg der CO₂-Werte am 18./19.08. im näheren Umfeld der Brände im Hohen Venn.
© www.donnerwetter.de 

 

Folgen über Jahre hinweg

Besonders interessant ist der Blick auf die Zeit nach dem Feuer. Die meteorologischen Veränderungen enden nicht mit dem Löschen der Flammen. Die Vegetation braucht Jahre, um sich zu regenerieren. Bis dahin verändert sich das Verhältnis von Sonneneinstrahlung, Bodenwärme und Verdunstung.

Aus großräumigen Untersuchungen ist bekannt, dass die Erwärmung verbrannter Flächen über Jahre nachweisbar bleiben kann; in einer aktuellen Studie hielt der Effekt in den untersuchten Regionen bis zu 14 Jahre an.

Für das Hohe Venn bedeutet das: Die verbrannte Fläche könnte in den kommenden Jahren ein anderes thermisches Verhalten zeigen als die umgebenden, unbeschädigten Moor- und Waldflächen. Wie stark sich dies tatsächlich auf lokale Temperaturen, Feuchte und Gewitterentwicklung auswirkt, lässt sich allerdings erst durch Messungen und Beobachtungen vor Ort quantifizieren.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Bleibt das Moor trockener, sinkt seine Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Hitze- und Trockenperioden. Genau deshalb gilt die Wiedervernässung von Moorlandschaften als wichtige Maßnahme, um sie widerstandsfähiger gegen Brände und gleichzeitig als Kohlenstoffspeicher zu erhalten.

Das Feuer verändert damit nicht nur die Landschaft. Es verändert auch deren Wechselwirkung mit der Atmosphäre – und diese Veränderung kann uns noch lange begleiten.

  Redaktion
 Team-Info
 Team-Kontakt




5

Wetter-Meldungen

CO2-Deutschland

479 ppm
19.08.2026 11:02
mehr

Zitat des Tages

    "Manche leben mit einer so erstaunlichen Routine, dass es schwerfällt zu glauben, sie lebten zum ersten Mal."

    Stanislaw Jerzy Lec